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2010-07-12 Tour de feminin Krasna Lipa Drucken E-Mail
Montag, den 12. Juli 2010 um 00:10 Uhr

Rundfahrt ist angesagt – 5 Etappen in 4 Tagen im Gebiet rund um Krasna Lipa stehen auf dem Programm, davon ein Zeitfahren. Und eines konnte man schon bei der Anreise feststellen: hier ist kein Meter flach, ein ewiges Auf und Ab, also das, was im Rennen richtig weh tut wenn schnell gefahren wird.

Unsere Unterkunft ist, naja, sagen wir mal sehr einfach gestaltet. Ich bin ganz froh, dass ich mein eigenes Bettlaken dabei habe. Aber für 4 Nächte ist es zum aushalten.

1. Etappe:  Krasna Lipa - Krasna Lipa

Team BIKE-AIDNach einer kurzen Vorstellung der Mannschaften konnten wir noch kurz die letzten Kilometer der Etappe abfahren. Dann gings auch schon zu Start – mit einem riesigen Feld, 170 Frauen verteilt auf 29 Teams sind hier. Es ging gleich zu Beginn flott los, und nach einer Sprintwertung nach 12km ging es zum ersten mal ernsthaft bergauf. Hier wurde das Feld bereits etwas dezimiert. Ausreißversuchen wurde sofort nachgestellt, sodass sie nie eine Gruppe lösen konnte. Ich war allerdings weit davon entfernt, mich an solchen Dingen aktiv zu beteiligen, sondern musste die ersten 30km eher kämpfen um im Feld zu bleiben. Danach ging es mir dann langsam besser und es wurde auch einfacher, sich im Feld zu bewegen, da mittlerweile schon viele Fahrerinnen abgefallen waren und die anfängliche Nervosität nachließ. Nach etwa 95km passierten wir zum ersten mal den Start- und Zielort Krasna Lipa und mussten dann noch eine ca 20km lange Runde mit einem kernigen Anstieg fahren. Zu diesem Zeitpunkt waren noch etwa 80 Fahrerinnen im Hauptfeld, von Bike Aid waren wir noch zu viert vertreten. Meine Kräfte ließen aber merklich nach, da man ständig Zug auf der Kette hatte und die vielen kurzen Anstiege sehr zermürbend waren. Etwa 4km vor dem Ziel und 500m vor der Bergwertung musste ich bei einer Tempoverschärfung reißen lassen, weil die Beine am Berg einfach nicht mehr genügend hergaben. Wir lange 500m sein können, wenn man nur noch Pudding in den Oberschenkeln hat und schon meint, Sternchen zu sehen... Immerhin ging es dann nur noch bergab ins Ziel. Ich kam mit einer 7köpfigen Gruppe 1:10 nach der Spitze ins Ziel und wurde damit 45. Für die hohe Starterzahl ein Ergebnis mit dem ich sehr gut leben kann! Das wellige Gelände hatte zu Folge, dass wir auf den 117km fast 1500 Höhenmeter absolviert hatten!

Zum Abschluss „durfte“ ich dann noch ein Bad im Brunnen nehmen, weil ich mich beim Versuch, ein Eiweiß Shake zu machen etwas ungeschickt angestellt hatte und so aussah als ob ich mich von oben bis unten angek... hätte. Bei den Temperaturen war das Bad allerdings ziemlich angenehm! So kaputt wie ich nach dem Rennen war, wäre es allerdings auch ganz angenehm, morgen nicht wieder 110km Rennen fahren zu müssen...


2. Etappe: Jirikov - Jirikov

Heute früh wäre ich am liebsten im Bett liegen geblieben... aber stattdessen hieß es um 10 Uhr Feuer frei für die 2. Etappe, welche ein deutlich welligeres Profil als die gestrige hatte – es waren wieder knapp 1500 Höhenmeter zu fahren. Nach 17km Anfahrt, ein stetiges Auf und Ab, inklusive einem Stopp an einer geschlossenen Bahnschranke, kamen wir auf die Schlussrunde der gestrigen Etappe. Diese hatten wir drei mal zu fahren – also drei mal diesen ekelhaften Berg hinauf, der sich zunächst ewig leicht steigend zog um einem dann auf den steilen letzten 500m den Rest zu geben, insgesamt auf einer Länge von 5km.

Ich hatte mich schon heute früh sehr müde gefühlt und meine Beine wollten einfach nicht auftauen, sodass ich an diesem Anstieg ziemlich Probleme hatte. Nach der ersten Runde konnte meine Gruppe wieder zum Hauptfeld aufschließen, doch ich war danach richtig platt, sodass mich schon auf dem weniger steilen Stück ziemlich schwer tat. Als es steiler wurde musste ich dann endgültig reißen lassen. Ich war dann in einer Gruppe und war ziemlich froh, dass ich mich ein wenig erholen konnte. Schon bald fühlte ich mich sehr viel besser und auf einmal hatte ich wieder gut Druck auf dem Pedal, doch dafür war es ja nun auch zu spät. Leider lief es in der Gruppe nicht sehr gut, da immer nur die gleichen 5-10 Leute (von 20-30) vorne fuhren, obwohl ich die anderen immer wieder dazu aufforderte auch mal mitzuarbeiten.

Zum Schluss mussten wir dann noch zwei Runden auf einer 10km Runde um den Start-und Zielort Jirikov fahren. Da mich die Situation in der Gruppe richtig nervte, versuchte ich in der letzten Runde mit einer Ukrainerin zusammen von der Gruppe wegzufahren, was uns auch gelang. Schon bald sahen wir eine weitere Gruppe vor uns, hinter der der Besenwagen fuhr. Wir fuhren zügig an dieser Gruppe vorbei, waren ja für uns schließlich nur noch 4km bis zum Ziel. Dort kamen wir dann auch ca. 45 Sekunden vor unserer urspünglichen Gruppe an.

Nathalie holte heute eine Top Ten Platzierung für uns!

Der Schock kam dann mit den Ergebnissen, da Tina (die noch 4min vor mir im Ziel war), die Ukrainerin und ich rausgenommen wurden, während meine ursprüngliche Gruppe ganz normal im Ergebnis war. Nach ein paar Telefonaten und emails und Besprechungen durch unseren sportlichen Leiter Matthias konnte das ganze zum Glück nochmal geregelt werden.


3. Etappe: Zeitfahren Bogyaty Polen

Elena und Natalie beim WarmfahrenHeute endete die Nacht schon früh – bereits um 7.30 Uhr startete der Konvoi zum Startort des Zeitfahrens, etwa 40km entfernt von unserem Quartier in Polen gelegen. Auf dem Hinweg fuhren wir bereits über die Zeitfahrstrecke – und was wir sahen, gefiel uns nicht... Mitten in der Strecke wartete ein „riesiger Berg“ (zumindest für Zeitfahrverhältnisse) auf uns. Ich startete als zweite Fahrerin um kurz vor 10 Uhr ins Rennen. Anfangs hatte ich das Gefühl gar nicht vorwärts zu kommen bei Gegenwind und leicht ansteigender Strecke und einer sehr unebenen Straße. Dann kam der Berg, ächz! Bis zur Wende ging es dann leicht abschüssig dahin, dann natürlich bergauf. Anschließend folgte eine rasende Abfahrt bei der ich mir ein Elfer Ritzel herbeigewünscht habe. Auf den letzten Kilometern zum Ziel hatte ich dann wieder das Gefühl fast stehenzubleiben...

Meine Zeit von gut 31min bedeutete am Ende den 83. Platz von den noch verbliebenen 140 Fahrerinnen.


4. Etappe. Rumburk - Rumburk

Zeitfahren, Mittagessen, Schlafen... da war doch noch was, wir hatten heute ja noch eine Etappe zu fahren. Es fiel uns allen sehr schwer uns wieder aufzuraffen. 4 Runden à 26km rund um unseren Wohnort Rumburk bei sengender Hitze (34° zeigte das Autothermometer) warteten auf uns, wie gewohnt natürlich ohne einen flachen Meter (auch wenn es diesmal „nur“ 1200 Höhenmeter waren). Viele 500-1000m lange giftige Anstiege waren auf der Runde zu bewältigen. Die ersten Kilometer waren ein harter Kampf für mich aber dann fand ich besser ins Rennen. In den ersten beiden Runden ließ ich schon viel Kraft, weil ich es nicht geschafft hatte weiter vorne in die Berge hineinzufahren und Fahrerinnen vor mir ließen immer wieder Löcher reißen. Diese konnten wir immer wieder zufahren. In der dritten Runde schafften wir das nicht mehr so schnell, bis Matthias von hinten mit dem Auto kam und Tina und mir sagte, dass wir unbedingt wieder ans Feld hinfahren sollten. Wir mobilisierten also nochmal alle Kräfte und fuhren an der Wagenkolonne vorbei nach vorne. Als wir das Feld schon vor Augen hatten, schloss sich genau vor uns die Bahnschranke... da wollte ich am liebsten schon aufgeben. Anfang der vierten Runde waren wir dann wieder fast am Feld dran, Tina schaffte auch den Anschluss. Ich kam leider nicht weiter als bis zum ersten Materialwagen, dann verließen mich bergauf so langsam endgültig die Kräfte. Ich fuhr noch bis zum letzten Berg in der Kolonne und ließ mich dann zurückfallen und fuhr mit einem Motorrad als Begleitung als 68. ins Ziel. Meine Teamkolleginnen machten es besser, Desiree wurde 16. und Nathalie 22., Kathrin stürzte leider 500m vor dem Ziel noch.

Heute mussten nochmals 20 Fahrerinnen den harten Etappen und der Hitze Tribut zollen und gaben auf.

5. Etappe. Varnsdorf - Krasna Lipa

Elena Eggl und die Schwedin Monica HollerMit der letzten Etappe wartete nochmal ein hartes Stück Arbeit auf alle Fahrerinnen, fünf Bergwertungen lagen vor uns, davon drei Mal die altbekannte Runde von der 1. und 2. Etappe. Die ersten 8km führten stetig bergauf. Anschließend kam der erste heftig Anstieg, bis zu 14% steil. Hier konnte ich mich noch mit dem Feld drüberquälen. Nach einem kurzen Stück bergab ging es anschließend 10km im Prinzip nur bergauf, meistens leicht ansteigend und zum Schluss hin immer steiler. Nach dem Berg war ich in einer Gruppe hinter dem Feld und auf der Abfahrt arbeiteten wir zusammen um den Anschluss wiederherzustellen. Dies gelang uns dann auch – allerdings genau zu Beginn des nächsten Anstieges, und sobald das Tempo anzog und der Berg steiler wurde war ich leider wieder weg vom Feld. Zweimal mussten wir diesen Anstieg noch hoch. Ich fuhr in einer ca zehnköpfigen Gruppe bis wir zum letzten mal in den Anstieg hineinfuhren. Da kam ein Motorradfahrer neben uns, „Come on, there's a group 50 seconds before you“. Ich beschleunigte gleich und wurde immer weiter von dem Motorradfahrer angefeuert, von den anderen fuhr zunächst niemand mit. Ich konnte dann auch zu der Gruppe vor mir aufschließen, die aus Tina und noch einer Fahrerin bestand. Den Anstieg fuhr ich dann nochmal so gut es ging und ging dann alleine in die Abfahrt. Bis zum Ziel holten mich noch ein paar Fahrerinnen ein, im Sprint wurde ich dann 2. und insgesamt 67. In der Gesamtwertung wurde ich 66., am Ende kamen noch 102 von 179 gestarteten Fahrerinnen ins Ziel. In der Gesamt-Teamwertung belegten wir den 11. Platz von 29 gestarteten Teams.

So gingen 4 anstrengende Tage zu Ende, die mit dem ganzen Team aber auch viel Spaß gemacht haben!






Zuletzt aktualisiert am Montag, den 12. Juli 2010 um 09:03 Uhr